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Grünes Gekrabbel: So nachhaltig ist “Insekten-Food”

Seit 2018 ist der Verkauf von Insekten zu Konsumzwecken in Deutschland erlaubt. Für viele eher ekelerregend, für andere sogar ein Fleischersatz. Außerdem schlägt die Insektenproduktion die bekannte Landwirtschaft in Sachen Co2-Ausstoß. Wir werfen einen Blick auf die Nachhaltigkeit des „Insekten-Foods“.

Nährstoffe in Insekten

Weltweit dienen Insekten etwa zwei Milliarden Menschen als regelmäßige Nahrungsquelle. Der Verbraucherzentrale zufolge gehören zu den essbaren Insektenarten vor allem Käfer, Raupen, Bienen, Wespen, Grillen und Mehlwürmer. Diese liefern Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B, Mineralstoffe und Protein. Ihr Proteingehalt hält mit dem von Rind, Schwein und Pute mit und kann ihn im gefriergetrockneten Zustand sogar übertreffen. Allerdings sind noch keine genauen Daten zu Vitaminen und Mineralstoffen vorhanden.

Vorteile beim Verbrauch

Hinsichtlich des Verbrauchs haben Insekten der globalen Fleischproduktion einiges voraus, berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Für die Produktion eines Kilogramms Grillen benötigt der Hersteller demzufolge zwölfmal weniger Futter als für die Produktion derselben Menge Rindfleisch. Ähnlich sieht es beim Wasserbedarf aus: Während ein Kilogramm Grillen (der essbare Anteil) etwa 2.500 Liter Wasser braucht, sind es bei einem Kilogramm Rindfleisch etwa 22.000 Liter. Stichwort essbarer Anteil: bei manchen Insektenarten liegt dieser bei etwa 80 Prozent, beim Rind ist es die Hälfte.

“CO2-Sünder” Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist generell einer der größten Verursacher für Treibhausgasemissionen. Dem Umweltbundesamt zufolge war die deutsche Landwirtschaft im Jahr 2018 für insgesamt 63,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente verantwortlich. Beim Verdauungsvorgang von Wiederkäuern wie Rindern und Schafen sowie bei der Lagerung von Wirtschaftsdüngern entsteht darüber hinaus das Spurengas Methan. Die Methan-Emissionen aus diesem Vorgang machen 77 Prozent am gesamten Landwirtschaftsbereich aus und stammen fast komplett aus der Rinder- und Milchkuhhaltung. Je nach Region können die Treibhausgasemissionen stark schwanken. Laut dem Bauernverband entsteht bei der Produktion von einem Liter Milch in Deutschland eine Belastung von 1,1 Kilogramm  CO2-Äquivalenten. In Subsahara-Afrika ist dieser Wert siebenmal so groß.

Kaum CO2 aus Insektenproduktion

Insekten dagegen produzieren bis zu 100 mal weniger CO2 als Rinder. Pro Kilogramm Körpergewicht entspricht das einer CO2-Produktion von 0,148 Kilogramm CO2. Zum Vergleich: Bei Geflügel sind es 1,1 Kilogramm CO2, bei Rindfleisch 14,8 Kilogramm. Dem Bayerischen Rundfunk zufolge haben Insekten zudem mehrere gravierende Vorteile, was die Vermehrung angeht. Sie brauchen kaum Platz, vermehren sich rapide und stellen kaum Ansprüche, was die Haltung angeht.

Aufgepasst: Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen. Die EU hat kaum begonnen, sich mit Insekten als Nahrungsquelle auseinanderzusetzen und es gibt keine neutralen Kontrollergebnisse dazu, ob europäische Züchter die Insekten ohne Antibiotika oder Hormone züchten. Zudem sollten Allergiker besonders aufpassen: Es können Kreuzallergien auftreten, wenn man gegen Hausstaubmilben oder Schalentiere allergisch ist.

Titelbild: © Foodfine /stock.adobe.com

Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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