Themen & Produkte Themen Zwischen Provisionsdeckel und ESG: Ein Blick ins Jahr 2021

Zwischen Provisionsdeckel und ESG: Ein Blick ins Jahr 2021

2020 mit all seinen Herausforderungen ist noch nicht ganz vorüber, da stehen schon neue Regulierungen und Gesetzesveränderungen in den Startlöchern. Worauf müssen Vermittler sich einstellen?

Topf zu beim Provisionsdeckel

Vor mehr als einem Jahr war zum Beispiel der Provisionsdeckel in aller Munde. Fonds Professionell berichtete im Sommer 2019, dass der Deckel „erst 2021“ kommen könnte. Nun wäre es fast soweit – eigentlich. Doch die Politik hat Abstand genommen. Stattdessen kommen neue Offenlegungspflichten und die zweite Lockdown-Phase auf Vermittler zu. Wie können Vermittler und Makler sich auf die Änderungen vorbereiten? Wir haben mit dem Rechtsanwalt Norman Wirth von Wirth-Rechtsanwälte gesprochen.

Redaktion: Herr Wirth, im neuen Jahr sollten zwei neue Regulierungen für Vermittler in Kraft treten. Erstens der Provisionsdeckel im Bereich der Lebensversicherung, außerdem die BaFin-Aufsicht für Finanzanlagenvermittler. Ist damit noch zu rechnen?

Norman Wirth: Nicht so schnell wie vorerst gedacht. Meiner Einschätzung nach liegen beide Großprojekte derzeit auf Eis. Es liegen zwar jeweils Gesetzesentwürfe vor, aber die endgültige Form wird davon abweichen. Beim Provisionsdeckel zum Beispiel würde ich maximal noch eine gesetzliche Begrenzung bei den Kreditrestschuldversicherungen erwarten, die in die Diskussion mit einbezogen wurden. Allerdings wird das auch zeitlich in dieser Legislaturperiode sehr knapp.

“Das Thema BaFin-Aufsicht halte ich für erledigt.”

Redaktion: Und die BaFin-Aufsicht? Ein Fall für die Archive oder Zukunftsmusik?

Norman Wirth: Das Thema halte ich für erledigt. Gründe dafür gibt es genug, die habe ich auch im Mai als Sachverständiger intensiv im Finanzausschuss des Bundestages vorgebracht. Das Finanzministerium, BaFin und Politik haben erst einmal genug mit der Aufarbeitung des Wirecard-Falls zu tun. Eine Erweiterung der Kompetenzen wäre jetzt nur noch schwerlich vermittelbar.

Redaktion: Welche Herausforderungen kommen im neuen Jahr auf Vermittler zu?

Norman Wirth

Norman Wirth: Zunächst einmal stellt die Corona-Krise uns alle weiter vor Herausforderungen. In diesem Jahr haben die unabhängigen Vermittler erfolgreiche Arbeit gemacht – es wäre großartig, wenn wir 2021 die Fortsetzung davon erleben könnten. Wir haben bei durchschnittlich gleichbleibendem Umsatz einen Digitalisierungs- und Professionalisierungsschub erlebt. Wer hier den Anschluss verpasst, wird bei der Krise ein ernsthaftes Problem bekommen.

Redaktion: Und wie sieht es mit neuen Regulierungen aus?

Norman Wirth: Da steht das Jahr 2021 ganz im Zeichen von ESG. Sehr allgemein ausgedrückt: Nachhaltigkeit. Für wichtig halte ich es auch, die schon erfolgten Regulierungen noch besser umzusetzen, Strukturen zu schaffen und vielleicht zu automatisieren. Damit meine ich unter anderem Schmerzthemen wie den Datenschutz, Geldwäscheprävention und Beratungsabläufe.

“Die Nachfrage für nachhaltige Produkte wird steigen.”

Redaktion: Sie hatten eben ESG erwähnt. Was kommt denn da, auch hinsichtlich der Offenlegungspflichten, auf Vermittler zu?

Norman Wirth: Ich will hier niemandem einen Schrecken einjagen, aber zum 10. März 2021 tritt die sogenannte Offenlegungsverordnung in Kraft. Diese schafft neue Regelungen hinsichtlich der Information von Kunden durch Versicherungsvermittler und Finanzanlagenvermittler. Unabhängig von der wachsenden Bedeutung der Vermittlung von nachhaltigen Produkten – also solchen, die grob gesagt bestimmte Werte stützen und entweder selbst ressourcenschonend sind oder entsprechende Anlagekonzepte unterstützen – erwarte ich, dass die Nachfrage nach solchen Produkten steigt.

Redaktion: Welche Pflichten haben Makler denn konkret, sobald diese Verordnung kommt?

Norman Wirth: Leider sind die konkreten Pflichten für Vermittler hier teilweise noch sehr generisch und bedürfen einer weiteren Detaillierung. Hierzu folgen auch noch technische Hinweise zur Offenlegungsverordnung. Wann genau das passiert, ist noch unklar. Vermittler, die sich weiterhin und dauerhaft am Markt positionieren wollen, werden nicht umhinkommen, sich eingehend mit der Thematik zu beschäftigen.

 

Nachhaltigkeit ist bereits jetzt eines der großen Themen, die auch die Europäische Union derzeit verfolgt. Warum es sich für Vermittler lohnt, sich damit zu befassen, und das mit Wasserstoff zu tun hat, erfahren Interessierte im R+V Maklerbulletin.

Titelbild: ©Ledergerber/stock.adobe.com © Norman Wirth

Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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