Themen & ProdukteFirmenkundenVogelgrippe in den Ställen: Hohe Schäden bei Landwirten

Vogelgrippe in den Ställen: Hohe Schäden bei Landwirten

Mehr als 350 Federviehhalter haben in diesem Jahr der R+V Schäden durch die Vogelgrippe gemeldet. Aufgrund einer Virusmutation ist die Krankheit in diesem Winter besonders schwer ausgebrochen, sodass der Versicherer mit einem Gesamtschaden von rund 20 Millionen Euro rechnet. Mehr als zwei Millionen Tiere mussten die Federviehhalter töten. Besonders betroffen sind die Geflügelhalter in Niedersachsen, Thüringen und Baden-Württemberg. Abgesichert sind unter den Betroffenen nur wenige.

Mehr Fälle an Vogelgrippe als 2016 vermeldet die R+V

Die Zahl der an Vogelgrippe erkrankten Tiere übersteigt sogar die bis dato heftigste Welle aus dem Jahr 2016/2017. „So viele Betriebe wie in diesem Winterhalbjahr waren in Deutschland noch nie von der Vogelgrippe betroffen“, sagt Albert Ziegler, Agrar-Experte bei der R+V. Etwa 100 Fälle mehr als vor fünf Jahren verzeichnet der Versicherer.

Für die Geflügelhalter ist so ein starker Ausbruch verheerend. Florian Anthes, Pressesprecher der Deutschen Geflügelwirtschaft, erklärt die Folgen. „Wenn in einem Betrieb ein Vogelgrippeausbruch festgestellt wird, bedeutet das für die Landwirte eine massive mentale Belastung sowie einen wirtschaftlichen Schaden, der oft auch über den eigentlichen Verlust der Tiere hinaus geht.”

Umsatzeinbußen im Bereich der Bio- und Freilandhaltung

Der Trend zu Bio- und Freilandhaltung spielt dabei eine wichtige Rolle. „Werden die Hühner länger als 18 Wochen im Stall untergebracht, müssen die Eier als Bodenhaltung deklariert und billiger verkauft werden. Das führt zu Einbußen”, erklärt R+V-Experte Ziegler. Das bestätigt auch Florian Anthes. Besonders die “resultierenden Exportverbote und Vermarktungsschwierigkeiten bei längeren Aufstallungspflichten” bei den in Deutschland stark nachgefragten Eiern aus Freilandhaltung führten zu “extrem wirtschaftlichen Belastungen” – weit über die Eierwirtschaft hinaus. Große Verluste gibt es etwa beim Mastvieh, vor allem aber bei der Putenzucht. „In Sperrgebieten”, sagt Ziegler, „dürfen die Bauern während dieser Zeit keine Jungtiere mehr aufziehen.”

Viele Landwirte sind nicht ausreichend abgesichert

Komplett abgesichert sind die Landwirte gegen solche Fälle nicht, da die Tierseuchenkasse nicht alle Schäden übernimmt. Wenn kranke Tiere getötet werden müssen, gibt es finanzielle Hilfe vom Staat. Allerdings kommt dieser nur für den Sachwert der gekeulten Tiere auf. Die Kosten für die Reinigung und Desinfektion der Ställe müssen die Landwirte tragen. Auch für den Einkommensverlust durch Leerstand kommt der Staat nicht auf. Die Vogelgrippe Saison endet in der Regel ab April/Mai, weshalb die R+V aktuell kaum noch neue Schäden vermeldet.

Letzter schlimmer Ausbruch der Vogelgrippe war 2016

Schon vor fünf Jahren grassierte die Vogelgrippe mit der offiziellen Bezeichnung H5N8-Virus in Deutschland und sorgte bei Geflügelhaltern für Sorgen. Damals mussten mehr als 700 Millionen Hühner, Enten, Gänse und Truthähne gekeult werden. Für die Branche, die laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) einen Umsatz von zehn Milliarden Euro erzielt, ein herber Verlust.

Noch zu wenige Landwirte sichern sich richtig ab

Gegen die finanziellen Folgen einer Tierseuche können sich Landwirte mit einer Tier-Ertragsschadendeckung schützen. Bisher greifen aber noch wenige darauf zurück, schildert Alfred Ziegler. „Viele Geflügelbetriebe sind jedoch nicht ausreichend versichert.“ Nur etwa 30 Prozent der Eierproduzenten und knapp 60 Prozent der Geflügelmäster besaßen bei der Vogelgrippewelle im Jahr 2017 seiner Einschätzung nach eine entsprechende Ertragsschadenversicherung. Inzwischen ist das Risikobewusstsein der Geflügelhalter allerdings gestiegen.

Eine Ertragsschadenversicherung übernimmt den Ertragsausfall des Betriebes und kommt darüber hinaus auch für Kosten auf, die für die Desinfizierung der Ställe oder für die Entsorgung der Tierkadaver und belasteter Gülle anfallen. Ebenso geschützt sind Betriebe, die zwar nicht direkt von der Seuche betroffen sind, aber in einem behördlichen Sperrgebiet liegen und ihre Tiere nicht verkaufen dürfen. Die Bilder aus dem Jahr 2000/2001, als in mehreren europäischen Ländern Europas die Maul- und Klauenseuche aufgetreten ist, sind vielen Landwirten noch lange im Gedächtnis. Das Bewusstsein für die Risiken einer Seuche sei seitdem nach Einschätzung des GDV bei vielen gestiegen.

Weitere Informationen zur Ertragsschadenversicherung gibt es hier.

Titelbild: © Baquez Photography/stockAdobe.com

Brigitte Mellert
Ihr Journalismus-Studium und ihre Redakteursausbildung zogen sie vor Jahren aus München weg nach Schwaben. Nun, zurück in der neuen alten Heimat, durchforstet sie als Online-Redakteurin die Finanzwelt nach spannenden Geschichten. Dort fündig geworden, verbringt sie ihre Freizeit am liebsten in der Natur auf dem Rad oder beim Wandern in den Bergen.

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