Themen & ProdukteKrankenVersicherung in Italien: Alle Wege führen nach Rom

Versicherung in Italien: Alle Wege führen nach Rom

Trotz Reformbemühungen aus Rom ist der italienische Versicherungsmarkt geteilt. Was sind die Besonderheiten der Versicherung in Italien? Wir werfen einen Blick auf die Details.

Europäischer Anspruch

Weil Italien ein Mitgliedstaat der Europäischen Union ist, gilt – wie in anderen Mitgliedsländern auch – ein Basis-Schutz. Mit Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz bestehen entsprechende Abkommen, die diesen Schutz ebenfalls gewährleisten. Bei vorübergehenden Aufenthalten in diesen Ländern haben deutsche Versicherte Anspruch auf medizinisch notwendige Leistungen. Es gelten dieselben Bedingungen wie für Versicherte des Gastlandes. Weitere Informationen dazu stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Der Apennin

Eine große Besonderheit im italienischen Versicherungsverhalten ist dem Apennin, einer geographischen Besonderheit Italiens, geschuldet. Die Gebirgskette prägt die italienische Halbinsel südlich von Genua und Venedig. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berichtet, ist die Versicherungsdichte rund um diese Gebirgskette eine der höchsten der Welt. Italiener sind begeistert von der Lebensversicherung. Bei der Absicherung des eigenen Hauses hingegen schlagen die Italiani seltener zu. Nur ein Bruchteil aller privaten Häuser ist gegen Erdbeben abgesichert. Weil viele Regionen tatsächlich erdbebengefährdet sind, besteht hier eine gewisse Versicherungslücke.

Italiener als Telematik-Fans

Ein weiteres großes Thema in Italien sind Telematiktarife. Kfz-Versicherer sind verpflichtet, Kunden mindestens einen Tarif anzubieten, dessen Prämie auf Basis des Fahrverhaltens variiert. Insgesamt haben knapp 20 Prozent der italienischen Autofahrer eine solche Versicherung abgeschlossen. Bei defensiver Fahrweise erhalten die Kunden am Jahresende eine Gutschrift.

Krankenversicherung in Italien

In Italien können Bürger auf ein staatliches mit Steuern finanziertes Gesundheitswesen zurückgreifen. Dieses regelt der Staatliche Gesundheitsdienst (Servizio Sanitario Nazionale, SSN) in Rom. Er legt die einzelnen Leistungen fest und verfolgt dabei das Ziel, allen Bürgern – unabhängig vom Einkommen und sozialem Stand – eine einheitliche medizinische Grundversorgung mit Hilfe der italienischen Krankenversicherung zu ermöglichen. Laut der Europäischen Kommission sind alle wohnhaften Bürger obligatorisch darin eingeschrieben, solange sie die Voraussetzungen erfüllen. Die ärztliche Versorgung erfolgt für die Bürger in lokalen Gesundheitseinheiten (Azienda Sanitaria Locale, ASL) und Krankenhauseinheiten, die zu den Organen des Staatlichen Gesundheitsdienstes gehören. Um sich im SSN einzuschreiben und eine Krankenversicherungskarte zu erhalten, wenden sich die Bürger an lokale Gesundheitseinheiten im Wohnort. Ihren Hausarzt müssen die Italiener gleich bei der Einschreibung wählen – dazu existieren Listen von Vertragsärzten des Staatlichen Gesundheitsdienstes. Die allgemeine Gesundheitsversorgung erfolgt stets in der ausgewählten Praxis oder am eigenen Wohnort.

Anspruch auf Leistungen im italienischen System

Im Bedarfsfall, so führt die Europäische Kommission aus, müssen Patienten sich an den ausgewählten Arzt wenden. Falls sie zeitweilig außer Haus oder verreist sind, haben sie die Möglichkeit, jeden anderen Arzt auf den Listen des Staatlichen Gesundheitsdienstes aufzusuchen. Dann fallen jedoch die Kosten der Untersuchung direkt auf sie zurück. Wer für einen Zeitraum von mehr als drei Monaten den Wohnort wechselt (etwa wegen eines Studiums), kann sich temporär in den Listen der lokalen Gesundheitseinheit anmelden. Diese Anmeldung gilt für ein Jahr, danach ist eine optionale Verlängerung möglich.

Private Versicherung in Italien

Die private Krankenversicherung, wie wir sie kennen, ist in Italien dagegen nicht üblich. Zwar gibt es private Absicherungen, aber eher in Form von Zusatzversicherungen, die auch die Kosten bei privaten Ärzten und Krankenhäusern übernehmen. Weiterhin ist die Krankenversicherung in Italien nicht mit einer Pflegeversicherung kombiniert – diese muss der Kunde ebenfalls bei einem privaten Anbieter abschießen. Wer in Deutschland versichert ist und nach Italien auswandert, erhält im Pflegefall die anteiligen Leistungen ausgezahlt.

Nähere Details gibt es bei der Europäischen Kommission.

Titelbild: ©laudibi / stock.adobe.com
Lars-Eric Nievelstein
Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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