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Land der aufgehenden Sonne: So funktioniert die Versicherung in Japan

Kein anderes Land altert so schnell wie Japan. Der Bedarf an verschiedenen Zusatzversicherungen wächst. Wir werfen einen Blick auf die Versicherung in Japan.

Zwischen Tsunami und Erdbeben

Genau wie am Apennin ist auch in Japan eine einzigartige geographische Lage der Grund für die Beliebtheit bestimmter Versicherungsprodukte. Zunächst einmal ist Japan anfällig für Erdbeben. Dem Bayerischen Rundfunk zufolge bebt die Erde im Land der aufgehenden Sonne rund 5.000 Mal pro Jahr. Das Fukushima-Erdbeben von 2011 hatte globale Auswirkungen. Taifune, Tsunamis und Vulkanausbrüche kommen hinzu – was bewirkt, dass in Japan die Katastrophenversicherung eine der beliebtesten Absicherungen ist. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berichtet, ist dafür jedoch zuerst eine Feuerversicherung notwendig. Weil Naturkatastrophen in Japan so häufig sind, steigen die Prämien für diese Produkte rapide an.

Das Problem mit der Überalterung

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Lebensversicherung. Die Lebenserwartung der Männer liegt bei 81,4 Jahren, Frauen werden in Japan im Schnitt 87,5 Jahre alt. Laut dem Statistischen Bundesamt geht die Bevölkerung tendenziell zurück. Die japanischen Lebensversicherer aber haben seit mehr als einem Jahrzehnt deutliche Zuwächse zu verzeichnen. Das liegt an einer weiteren Besonderheit des Landes: Sogenannte „Seiho Ladys“ haben die Rolle des „klinkenputzenden“ Vermittlers eingenommen und die Lebensversicherung seit der Jahrtausendwende zu Japans größtem Versicherungsmarkt gemacht. Weiterhin erfreuen sich Pflege- und Krankenzusatzversicherungen wachsender Beliebtheit.

Die staatliche Absicherung

Genau wie in Deutschland gibt es in Japan eine staatliche (oder nationale) Krankenversicherung. Diese „Kokumin Kenkou Hoken“, kurz Kokuho, entspricht der deutschen Pflichtversicherung. Ihre Organisation erfolgt für gewöhnlich über die Gemeinden. Wer sich länger in Japan aufhält, erhält eine Aufforderung, sich in der Nationalen Krankenversicherung anzumelden. Die monatliche Prämie ist dabei stets nach dem Einkommen des Versicherten gestaffelt. Wer nur wenig Lohn oder gar kein Einkommen erhält, der zahlt entsprechend weniger. Und wer nicht versichert ist, zahlt 100 Prozent aller Krankenkosten selbst – was wegen vergleichsweise teurer Medikamente und ärztlicher Behandlungen schnell ins Geld gehen kann. Ein Eigenanteil bleibt bei Arzt- und Apothekenbesuchen dennoch: Patienten zahlen hier 30 Prozent, Senioren zwischen zehn und 20 Prozent. Um Familien mit Nachwuchs entgegenzukommen, übernehmen immer mehr Gemeinden die Kosten für Kinder.

Versichert über die Firma

Darüber hinaus gibt es in Japan vier Versicherungssysteme, in die Unternehmen einzahlen müssen. Laut der Japan External Trade Organization ist das gesetzlich festgelegt. Alle Mitarbeiter, die bestimmte Kriterien erfüllen, sind durch sie versichert. Zu diesen vier Systemen gehören:

  • Versicherung für Entschädigungen bei Arbeitsunfall und Arbeitsunfähigkeit: Sie deckt Krankheits- und Verletzungsfälle ab, die bei der Arbeit oder auf dem Weg passieren.
  • Arbeitslosenversicherung: Arbeitnehmer, die arbeitslos werden, erhalten finanzielle Zuschüsse und Beihilfen
  • Krankenversicherung und Pflegeversicherung: Sie decken medizinische Behandlungen ab
  • Arbeitnehmer-Rentenversicherung: Sie gewährt Leistungen im Alter sowie bei Tod oder Behinderung.

Rücksichtslose Radler

Und zuletzt ist Japan ein Vorreiter in Sachen Fahrradfahrerhaftpflichtversicherung. In einigen Präfekturen, darunter Osaka und Kyoto, ist diese bereits vorgeschrieben. Denn die Radfahrer in Japan sind oftmals rücksichtslos und fahren vergleichsweise schnell. Laut der Japan Times ist dieses Problem derartig aus dem Ruder gelaufen, dass einige lokale Regierungen nicht mehr um eine solche Pflichtversicherung herumkamen. Im Jahr 2019 gab es 26.687 Vorfälle, in denen gefährliches Radfahren involviert war, lediglich 328 Tatverdächtige besuchten danach einen Sicherheitskurs. Laut der japanischen Polizei starben im selben Jahr 433 Menschen durch einen Fahrradunfall.

Titelbild: ©DisobeyArt/ stock.adobe.com
Lars-Eric Nievelstein
Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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